Danica Ručegaj, die erste makedonische Dichterin, die in der makedonischen Literatur kanonisiert wurde, verstarb im Alter von 29 Jahren bei dem Erdbeben, das Skopje im Jahre 1963 erschütterte. In diesem Ereignis liegt eine Symbolik, mit der die von Frauen geschriebene makedonische Literatur bis zum heutigen Tag verbunden wird, doch ich würde ihren historischen Vers „Dies ist mein letztes Schweigen“ hervorheben wollen, der auf paradoxe Art und Weise durch ein reales wie metaphorisches Erdbeben auch das Nicht-Schweigen aller übrigen weiblichen Autoren verordnete. Im selben Jahr 1963 erschien das Kinderbuch „Zoki Poki“ von Olivera Nikolova, welches zu einem Klassiker der makedonischen Literatur und zu einem Referenzwerk für die Kindheit aller Kinder in Makedonien wurde. In Makedonien gab es weder damals, noch gibt es heute ein Kind, welches das Buch „Zoki Poki“ von Olivera Nikolova nicht gelesen hätte. „Zoki Poki“ erzählt die Erlebnisse des lebhaften Kindes Zoki, das ausgerechnet von seiner Freundin Lidija Poki genannt wird. Wenn einige meiner Freunde glücklich darüber waren, daß ihnen ihre Eltern Namen nach populären Sängern oder Figuren aus Filmen ausgesucht hatten, dann war ich glücklich, daß ich gerade wegen der Figur aus dem Buch Olivera Nikolovas Lidija hieß. In meiner Generation tragen viele Jungen den Namen Zoran, und ihre Freunde und Verwandten nennen sie zärtlich Zoki. Als Olivera Nikolova Lidija literarisch gebar, wurde sie auch unbewußt zu meiner literarischen Mutter. In der Zwischenzeit habe ich alle ihre Bücher gelesen, mehr als zwanzig an der Zahl, und sie strickte mir einen schwarzen Schal, damit mir nicht immer kalte Schauer den Rücken herunterlaufen, wenn ich sie treffe – meine riesengroße Hochachtung für ihr Werk geht nämlich bei jeder Begegnung in ein Zittern meines ganzen Seins über. Mit diesem Schal, den sie mir mit denselben Händen gestrickt hat, mit denen sie ihre außerordentlichen Romane, Kinderbücher und Dramen schreibt, entmystifizierte Olivera Nikolova den Mythos vom Schriftsteller als Über-Wesen. Nur unter solchen Händen wird Literatur geboren, die lebendig ist, pulsierend wie ein menschliches Herz, leidenschaftlich, realistisch, individuell und universell, und genau so ist das Schreiben Olivera Nikolovas. Von Olivera Nikolova persönlich habe ich weder gelernt, Poesie noch Prosa zu schreiben – sondern etwas viel Wichtigeres: daß das Schreiben ohne jeden Unterschied eine Art zu leben ist. Olivera Nikolova ist keine Bestsellerautorin mit Einbänden aus Hochglanzpapier, sie ist keine öffentliche Persönlichkeit im TV, sie lacht uns nicht von Billboardcharts oder den Titelseiten der Zeitungen entgegen, sie sitzt nicht in Kaffeehäusern mit den makedonischen Schriftstellern zusammen, sie reist nicht durch die Welt, sie hält keine Vorlesungen an Universitäten, sie ist keine Kandidatin für den Nobelpreis, nicht einmal in Makedonien erhält sie viele Preise für ihre Bücher, und es ist sogar einmal vorgekommen, daß sie einen von ihnen wegen der Spielchen und Intrigen der Jurymitglieder nicht angenommen hat. Olivera Nikolova ist par excellence das Gegenteil eines Prototyps des zeitgenössischen Schriftstellers, der seine Identität vor allem in Abhängigkeit von seiner globalen Perspektive erlebt.
Die Geschichtswissenschaft ist a priori eine langweilige und ermüdende Disziplin voller Daten, Ereignisse und Persönlichkeiten, die man sich merken muß. In den Romanen Nikolovas, die beinahe immer die Geschichte als erzählerischen Ausgangspunkt und als Matrize nehmen, wird sie interessant, anziehend und aufregend. Die historischen Persönlichkeiten in den Romanen Nikolovas stellen sich uns in ihrem realen, nichtmystifizierten Licht vor – als Menschen aus Fleisch und Blut, die Fehlern, Irrtümern, Leidenschaften und Liebe unterworfen sind, ganz genauso, wie wir, die Zeitgenossen Olivera Nikolovas, es sind. Nikolova erzählt von der Vergangenheit, die zweifellos Auswirkungen auf die Gegenwart hat, sie erzählt von den historischen Fakten und Wahrheiten, indem sie Tatsachen mit Fiktion und das Leben mit der Kunst verflicht. Das kollektive Gedächtnis, das vor allem Bezug auf das makedonische Wesen nimmt, wird in den Romanen Olivera Nikolovas für jede Figur zu einem individuellen und damit noch authentischer. Ihr Erzählen ist leicht, verführerisch und einfach, obwohl vollendet dokumentiert, und es wirft Fragen auf, die die tiefsten menschlichen Bedürfnisse berühren. Im Jahre 1983, einer Zeit in der im früheren Jugoslawien der Atheismus an Stelle der Religion selbstverständlich war, schrieb sie den Roman „Eine schmale Tür“, in dem sie alle Dilemmata des zeitgenössischen Menschen aufdeckt, sowohl als homo politicus als auch als homo religiosus. In „Variationen über Ibn Pajko“ unterzieht Nikolova drei Paare von Mann und Frau, die der religiöse Kontext miteinander verbindet, in den ihre provokativen existentialistischen Geschichten gestellt werden, einer schriftstellerischen Röntgenuntersuchung. Der Roman „Adams Rippe“ vertieft sich in die Beziehung zwischen Mann und Frau als eine Beziehung der Liebe, der Teilung, aber auch der Verbindung von Identitäten, Herzen und Körpern, er erforscht die weibliche Psyche in allen Bereichen, und in einem zerbrochenen Spiegel aus Entschlossenheit, nach seinen eigenen Maßstäben und nicht nach denen der Welt zu leben, beschreibt und begreift er das männliche Anderssein. Sowohl die Frau als auch der Mann sind Wesen, deren Natur durch die Zeiten unveränderlich ist, und dies wird durch die beiden Geschichten im Roman aufgezeigt, die zeitlich am Beginn des vergangenen Jahrhunderts und heute angesiedelt sind. Mein Lieblingsroman von Olivera Nikolova ist ihr letzter, „Rosicas Puppen“, der den Preis für den besten makedonischen Roman des Jahres 2004 erhalten hat und der über die stürmischsten Ereignisse rund um die makedonische Identität in den letzten zwanzig Jahren des 19. Jahrhunderts erzählt. Mit photographischem Realismus und mit der fiktiven Perspektive der Hauptfigur des Romans, der stummen jungen Frau Rosica, die durch Stoffpuppen mit ihren Zeitgenossen, wichtigen Persönlichkeiten aus der Geschichte Makedoniens, kommuniziert, liest sich der Roman Olivera Nikolovas in einem Zug, und gerade wegen seiner Offenheit in der Narration wäre er beispielsweise als Grundlage für einen hervorragenden europäischen Film geeignet. Interessant ist, daß die feministische Literaturkritik die Stummheit Rosicas (sie verliert ihre Sprache bei einer Vergewaltigung, als sie noch ein kleines Mädchen ist) heute im Kontext der gesamten Frauenliteratur in Makedonien interpretieren kann, nämlich insofern, als die Frauen tatsächlich oder symbolisch stumme Figuren sind, sowohl in der Literatur als auch im Leben. Die stumme Rosica wäre eine typische Figur, die aus dem sie umgebenden System ausgeschlossen ist und keinen Einfluß auf die Ereignisse um sich herum nimmt, aber Olivera Nikolova integriert sie nicht nur sehr geschickt durch das Substitut der Puppen, die Rosica als metaphorische Porträts ihrer Zeitgenossen anfertigt, in die Narration, sondern sie gibt ihr auch das Recht einer Hauptfigur, und damit überwindet sie den Phallozentrismus des 19. Jahrhunderts.
Mit ihrer Prosa hat sich Olivera Nikolova ein „eigenes Zimmer“ in der makedonischen Literatur gesichert. Als weiblicher Autor bedient sie sich in ihrem Schaffen ihrer Erfahrung als Frau, aber auch der mentalen Bilder, mit denen sie aufgewachsen ist und sich entwickelt hat, die sie geträumt, sich ausgedacht oder vorausgesehen hat. Ihre Figuren sind gegen nichts gleichgültig, so auch nicht gegen die eigene geschlechtliche Zugehörigkeit, und in ihr beziehen sie Stellung als Persönlichkeiten, die eher in einer harmonischen als in einer disharmonischen Beziehung zu ihrer geschlechtlichen Identität stehen. Jedes Buch Nikolovas ist eine Welt für sich, in der das Leben und der Tod „lebendiger und toter“ sind als die echten Leben und Tode. Von Schriftstellern denken wir, daß sie schon tot sein müssen, wenn wir von ihnen nur gute Bücher lesen. Doch Olivera Nikolova ist am Leben, sie ist 71 Jahre alt, ihr Haus steht in der Partenija Zografski-Straße in Skopje, man kann sie in der Bibliothek antreffen, auf dem Markt oder in der Buchhandlung, sie ist eine leidenschaftliche Leserin der Werke makedonischer und internationaler Schriftsteller, manchmal besucht sie Buchpräsentationen ihrer Kollegen, aber fast immer sitzt sie in der letzten Reihe, still, schweigsam, so als habe sie ihre Anwesenheit und Nichtanwesenheit in einem vereint, in ihrem Credo: „Wenn es Kunst ist, wird es Bestand haben, und wenn nicht, dann nicht“, in absoluter Präsenz. Selten sind die Schriftsteller, die am Leben sind und deren Bücher alle gut sind, weil „ein lebender Mensch Fehler macht“, doch sieh da, Olivera Nikolova ist, Gott sei Dank, am Leben und schreibt nur gute Bücher!
Lidija Dimkovska
Aus dem Makedonischen von Alexander Sitzmann
Original
Оливера Николова
Првата македонска поетеса канонизирана во македонската книжевност, Даница Ручегај, почина на 29-годишна возраст во земјотресот што го зафати Скопје во 1963 год. Во овој настан постои симболика со која се до денес ќе биде поврзана македонската литература пишувана од жени, но јас би го истакнала нејзиниот историски стих „Ова е моето последно молчење“ кој на парадоксален начин, преку реален и метафорички земјотрес го одреди и не-молкот на сите останати жени-авторки. Истата 1963 год. излезе прозната книга за деца „Зоки Поки“ од Оливера Николова која стана класик во македонската литература и референца на детството на сите деца во Македонија. Во Македонија ни тогаш ни денес не постои дете кое ја нема прочитано книгата „Зоки Поки“ од Оливера Николова. „Зоки Поки“ е приказна за случките на палавото дете Зоки наречено Поки токму од страна на неговата пријателка Лидија. Ако некои од моите другарчиња беа среќни што родителите им дале имиња според популарни пејачи или ликови од филмови, јас бев среќна што се викам Лидија токму поради ликот од книгата на Оливера Николова. Во мојата генерација многу момчиња го носат името Зоран, а блиските нагалено ги викаат Зоки. Кога Оливера Николова книжевно ја роди Лидија, несвесно стана и моја книжевна мајка. Во меѓувреме ги прочитав сите нејзини книги, повеќе од двасеттина, а таа ми сплете црн шал за да не се стресам од студ секогаш кога ќе ја сретнам – имено, мојата огромна почит кон нејзиното дело при секоја средба преминува во треперење на целото мое битие. Со шалот кој ми го сплете со истите раце со кои ги пишува своите извонредни романи, книги за деца и драми, Оливера Николова го демистифицира митот за писателот како над-битие. Само под такви раце се раѓа литература која е жива, пулсирачка како човечко срце, страсна, реалистичка, индивидуална и универзална, а токму такво е писмото на Оливера Николова. Од Оливера Николова лично не научив да пишувам ни поезија ни проза – туку нешто многу поважно: дека пишувањето е начин на живот без разлика на се. Оливера Николова не е авторка на бестселери со блескави корици, не е јавна личност на ТВ, не се насмевнува од билборди или насловни страници на весници, не седи по кафеани со македонските писатели, не патува по светот, не држи предавања на универзитети, не е кандидат за Нобелова награда, дури ни во Македонија не добива многу награди за своите книги, а досега се случи и да не прифати една од нив поради игрите и сплетките на членовите на жирито. Оливера Николова е par excellance не-прототип на современиот писател кој својот идентитет пред се го доживува во зависност од неговата глобална перспектива.
Историјата е а приори здодевна и заморна дисциплина, преполна датуми, настани и личности што треба да се запомнат. Во романите на Николова кои речиси секогаш ја земаат за појдовна раскажувачка точка и матрица, историјата станува интересна, привлечна, возбудлива. Историските личности во романите на Николова ни се претставуваат во своето реално, немистифицирано светло – како луѓе од крв и месо, подложни на грешки, заблуди, страсти, љубов, исто какви што сме ние, современиците на Оливера Николова. Николова раскажува за минатото кое несомнено има последици врз сегашноста, за историските факти и вистини преку преплетување на фактот и фикцијата, на животот и уметноста. Колективното сеќавање кое се однесува пред се на македонската суштина, во романите на Оливера Николова за секој лик станува индивидуално и со тоа уште поавтентично. Нејзиното раскажување е лесно, заводливо и едноставно иако совршено документирано и отвора прашања што ги засегаат најдлабоките човекови потреби. Во 1983 год., време кога во поранешна Југославија атеизмот се подразбираше за сметка на религијата, таа го напиша романот „Тесна врата“ во кој ги откри сите дилеми на современиот човек и како homo politicus и како homo religious. Во „Вежби за ибн Пајко“ Николова постави под писателкси рентген три пара маж – жена кои ги обединува религискиот контекст во кој се поставени нивните провокативни егзистенцијалистички приказни. Романот „Адамовото ребро“ се вдлабочува во односот меѓу мажот и жената како однос на љубов, на поделба, но и на спој од идентитети, срца и тела, ја истражува на сите полиња женската психа и во прекршено огледало од решеност да се живее по своја мерка, а не по мерка на светот ја опишува и сфаќа машката другост. И жената и мажот се битија чија природа е неменлива низ времињата, а тоа е покажано преку двете приказни во романот временски лоцирани на почетокот на векот и денес. Мојот најомилен роман од Оливера Николова е нејзиниот последен, „Куклите на Росица“, кој ја доби наградата за најдобар роман за 2004 год. и кој раскажува за најбурните настани на македонскиот идентитет во последните дваесет години од 19-от век. Со реалистичка фотографичност и со фиктивна перспектива на главниот лик во романот, немата девојка Росица која преку кукли од партали комуницира со своите современици – важни личности од историјата на Македонија, романот на Оливера Николова се чита во еден здив и токму поради таа своја отвореност во нарацијата е податлив, на пример, за одличен европски филм. Интересно е што немоста на Росица (јазикот и е повреден при силување кога била девојче) денес гинокритиката може да го протолкува во контекстот на целокупната женска книжевност во Македонија, а тоа е дека жените фактички или симболички се неми ликови и во литературата и во животот. Росица со својата немост би била типичен лик кој е исклучен од системот што ја опкружува и не влијае на настаните околу себе, но Оливера Николова преку супститутот на куклите што Росица ги изработува како метафорички портрети на своите современици, не само што многу вешто ја „вклучува“ во нарацијата туку и го дава правото на главен лик, а со тоа ја надминува фалоцентричноста на 19-от век.
Со својата проза Оливера Николова си обезбеди „сопствена соба“ во македонската книжевност. Како жена - авторка таа во своето творештво се служи и со своето женско искуство, но и со менталните слики во кои растела и се развивала, ги сонувала, замислувала или предвидела. Нејзините ликови не се рамнодушни кон ништо, па ни кон сопствената полова припадност и во неа се поставуваат како личности кои се повеќе во хармоничен одошто во дисхармоничен однос со својот полов идентитет. Секоја книга на Николова е посебен свет во кој животот и смртта се „поживи и помртви“ од вистинските животи и смртти. За писателите си мислиме дека се мртви тогаш кога од нив читаме само добри книги. А Оливера Николова е жива, има 71 година, нејзиниот дом е на улица Партенија Зографски во Скопје, може да се сретне во библиотека, на пазар или во книжарница, страстен читател на македонските и светските писатели, понекогаш посетува промоции на книги на своите колеги, но речиси секогаш седи во задниот ред, тивка, молчелива, божем присуството и неприсуството ги споила во едно, во своето животно кредо: „Ако е уметност ќе остане, а ако не, нема“, во апсолутното присуство. Ретки се писателите кои се живи, а сите нивни книги се добри зашто „жив човек греши“, а ете, Оливера Николова, фала му на Бога, е жива и пишува само добри книги!
Лидија Димковска
